Eigenmietwert: Nichts ist sicherer als die Steuer

26.07.2017Petra Staubli

Schon Benjamin Franklin hat dies mit seinem Zitat bestätigt. Doch es gibt Ausnahmen. So sind in der Schweiz die Diskussionen rund um die Eigenmietwertbesteuerung nie abgeklungen. Trotz mehrmaliger Ablehnungen bei Volksabstimmungen werden aktuell zwei parlamentarische Initiativen in den Wirtschaftskommissionen von National- und Ständerat vorbesprochen. Eine mögliche Abschaffung dieser Steuer scheint also durchaus realistisch.

Der Eigenmietwert entspricht einem nicht geldwerten Wertzufluss, welcher dem Mietwert der selbstgenutzten Liegenschaft entspricht. Er wurde in der Schweiz 1934 eingeführt und 1990 auch als Grundsatz bei Kantonen und Gemeinden verankert. Die Besteuerung des Eigenmietwertes basiert auf der Sichtweise, dass selbstgenutztes Wohneigentum ein Investitionsgut darstellt und somit ertragsrelevant ist, unabhängig davon, ob dem Steuerpflichtigen Geld oder weitere Ertragsformen aus der Investition zufliessen.

In den Nachbarländern wurde der Eigenmietwert nicht eingeführt oder bereits abgeschafft. In ein paar wenigen europäischen Länder wie den Niederlanden oder Spanien besteht der Eigenmietwert jedoch weiterhin.

Grösste Problematik der Eigenmietbesteuerung ist die Festlegung einer dem Marktwert entsprechenden Eigenmiete. Es besteht eine gewisse Willkür bei der Bestimmung des Eigenmietwerts und gleichzeitig passt sich dieser den jeweiligen Marktentwicklungen nicht an, was bedeutet, dass sporadische Anpassungen notwendig sind, wie dies im Kanton Aargau auf die Steuerperiode 2016 hin durchgeführt wurde.

Generell ist die Akzeptanz von Steuern von nicht-monetärem Einkommen tief. Dazu kommt, dass mit der tiefen Hypothekarzinssituation und der gestiegenen Marktzinssituation die Steuerbelastung für Wohneigentümer gestiegen ist. Die Stimmen nach einer Abschaffung dieser Steuer werden lauter. Die einfachste und zugleich sauberste Lösung wäre es, die Nutzung von Wohneigentum der Miete gleichzustellen und somit dem Privatkonsum zuzuordnen. So fiele der Eigenmietwert weg aber auch die Möglichkeit von steuerlichen Abzügen zu profitieren.

Die Fragen nach Gewinnern und Verlierern bei einer Abschaffung des Eigenmietwertes ist leicht beantwortet: Aktuelle Gewinner wären Erstkäufer von Wohneigentum, welche somit weniger Steuern bezahlen müssten. Die wegfallende Steuerbelastung pro Jahr dürfte dabei bis zu 0.5 Prozent des Kaufpreises betragen. Verlierer wären insbesondere die Zweitwohnungsgemeinden, welche einen Grossteil ihrer Zusatzeinkommen verlieren würden. Die nationalen Steuereinnahmen aus dem Eigenmietwert betragen geschätzt zwischen 2 und 3 Milliarden.

Die aktuelle Situation ist nicht optimal und der Eigenmietwert hat zu einer höheren Unzufriedenheit bei den Wohneigentümern geführt. Dies zeigt sich alleine schon an den diversen Vorstössen der vergangenen Jahre zur Abschaffung des Eigenmietwertes. Gleichzeitig hat die Einschätzung des Marktwertes eine gewisse Willkür zu Tage geführt, was das Vertrauen und die Akzeptanz in die Berechnung des Eigenmietwertes nicht gefördert hat. Eine Anpassung scheint nötig und die Gleichstellung von Wohneigentum und Miete wäre dabei die einfachste Lösung.

Eine erneute Volksabstimmung über den Eigenmietwert scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Sie haben Fragen zu ihrem Eigenmietwert oder planen eine Veränderung ihrer persönlichen Wohnsituation. Das Team der Staubli & Partner GmbH steht Ihnen dafür gerne zur Verfügung. Weitere Informationen finden Sie dafür auf unserer Homepage www.staubli-immobilien.ch.
 

© Staubli & Partner Immobilien GmbH, Juli 2017